126. Deutscher Ärztetag: Zusammenfassung II

Bremen, 29.05.2022 – Der 126. Deutsche Ärztetag hat bei seinen Beratungen vom 24. bis 27. Mai 2022 eine Reihe von gesundheits-, sozial- und berufspolitischen Beschlüssen gefasst:

Ärzteschaft fordert Gesamtkonzept zur Notfallversorgung

Der 126. Deutsche Ärztetag hat sich gegen die Pläne des Gesetzgebers gewandt, statt einer umfänglichen Reform der Notfallversorgung zunächst eine verpflichtende, standardisierte Ersteinschätzung einzuführen. Das Ärzteparlament appellierte an die Bundesregierung, den Auftrag an den Gemeinsamen Bundesausschuss auszusetzen, Kriterien für ein solches Ersteinschätzungsverfahren zu beschließen.

Die von den Regierungsfraktionen angekündigte Gesamtreform der Notfallversorgung sei dringend notwendig, stellte das Ärzteparlament klar. Keinesfalls aber sollten „im Bereich der Ersteinschätzung Fakten geschaffen werden, bevor dieses Gesamtkonzept steht.“ Ein solches Konzept hatte bereits der 124. Deutsche Ärztetag im Mai 2021 gefordert.

Zunächst müsse geklärt werden, wie die unterschiedlichen Versorgungsebenen in der ambulanten Notfallversorgung vernetzt werden sollen und welches Leistungsspektrum sie aufweisen, heißt es in dem aktuellen Beschluss. Vorher und losgelöst von einem Gesamtkonzept sei die Etablierung eines neuen Ersteinschätzungssystems zur Patientensteuerung nicht sinnvoll.

Qualität des Praktischen Jahres sicherstellen

Die Abgeordneten des Ärztetages forderten die Klinikleitungen auf, die Qualität des Praktischen Jahres (PJ) zu priorisieren. In diesem Zusammenhang dürften Medizinstudierende im PJ nicht mit pflegerischen, sondern mit ärztlichen Aufgaben betraut werden. Auch müssten diese eine einheitliche angemessene Aufwandsentschädigung erhalten.

Ernährung umstellen, Gesundheit und Umwelt schützen

Eine gemeinsame Wende in der Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik hat der 126. Deutsche Ärztetag in Bremen erneut gefordert. Sowohl Politik, Verbraucher, Erzeuger und Handel werden aufgefordert, daran mitzuwirken. Der Fleischkonsum müssten deutlich reduziert werden, betonten die Abgeordneten. Dies wirke sich positiv auf die Gesundheit aus, leiste einen relevanten Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen und trage zu einer Verbesserung der Nahrungsressourcen ärmerer Länder bei.

Gesundheitskompetenz an Schulen fördern

Der 126. Deutsche Ärztetag hat die Länder aufgerufen, ein eigenständiges Schulfach „Gesundheit und Nachhaltigkeit“ einzuführen. Eine frühe und gezielte Bildung werde dazu beitragen, eine Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung zu fördern und die Gesundheit des Einzelnen, jedoch auch der gesamten Bevölkerung nachhaltig zu sichern – insbesondere mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen wie Klimakrise und demografischer Wandel.

Darüber hinaus seien Schulen zu gesunden und nachhaltigen Lebensräumen umzugestalten. Dafür bedürfe es Maßnahmen des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Hilfs- und Arbeitskräfte. Auch sollten bauliche Maßnahmen wie etwa energetische Sanierungen und nachhaltige Bauweisen, Bewegungsförderung, Schulverpflegung sowie Förderung der psychischen Gesundheit berücksichtigt werden.

Forschung über Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen fördern

Kinder und Jugendliche können durch unkontrollierten und übermäßigen Gebrauch digitaler Bildschirmmedien in ihrer intellektuellen, sensomotorischen und psychosozialen Entwicklung beeinträchtigt werden. Die Auswirkungen auf die schulische Bildung und den Arbeitsmarkt können dramatisch sein und werden bislang kaum diskutiert. Der 126. Deutsche Ärztetag appelliert deshalb an die Bundesregierung, die Forschung zu den Auswirkungen der übermäßigen Nutzung von Bildschirmmedien im Kindes- und Jugendalter finanziell zu fördern.

Finanzierung von Zentren für seltene Erkrankungen nachhaltig verbessern

Zur besseren Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen sollen bundesweit entsprechende Fachzentren etabliert und dauerhaft von den Kostenträgern finanziert werden. Das forderte der Ärztetag in Bremen. Die Zentren würden den Betroffenen eine zielgerichtete Diagnostik und Therapie durch speziell geschulte Kolleginnen und Kollegen ermöglichen. Die Zentren sind zudem für die Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie die Forschung von Bedeutung. In Deutschland leben ca. vier Millionen Menschen mit seltenen Erkrankungen. Die Mehrheit ist bereits im Kindes- und Jugendalter von entsprechenden Symptomen betroffen. Trotzdem dauert es häufig mehrere Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt werden kann.

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